Schwarz ist die Hoffnung

Bild: Die Flagge der African Union. Quelle: https://stock.adobe.com/search?k=african+union+flag&asset_id=93404180

Im vergangenen Februar fand in Addis Ababa (der Hauptstadt Äthiopens) das 38. Gipfeltreffen der African Union statt. Die African Union besteht aus 54 Mitgliedsstaaten. In dem Abschluss-Statement des Gipfels wurden Israels Angriffe auf Gaza als „Genozid“ verurteilt, und es wurde aufgerufen, jegliche Kooperation mit Israel zu beenden, so lange Israels Besatzung der palästinensischen Gebiete andauert. Zwangsumsiedlungen wurden abgelehnt.

Dies ist ein sehr starkes Zeichen der afrikanischen Solidarität mit den Palästinensern. Denn die USA hatten im Vorfeld massiven Druck auf manche afrikanischen Länder ausgeübt, sich mit Kritik an Israel zurückzuhalten. Viele Länder sind dringend auf US-amerikanische Hilfe angewiesen, mit deren Kürzung gedroht wurde.

Israel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten bemüht, zu afrikanischen Ländern gute Beziehungen auf diplomatischer und wirtschaftlicher Ebene aufzubauen – mit wechselndem Erfolg. Die afrikanischen Länder haben zwar einerseits Interesse an wirtschaftlichen Kooperationen, aber andererseits sind im kollektiven Gedächtnis der Menschen die leidvollen Erfahrungen mit Kolonialismus tief eingeprägt, und das ist die Wurzel ihrer Solidarität mit den Palästinensern.

Dieser Gipfel ist ein Rückschlag für Netanjahu.

„Afrika ist dabei, seine internationalen Allianzen zu diversifizieren, Verbindungen zu globalen Mächten wie China und Russland zu stärken, und so die Abhängigkeit von Ländern, die Israel bedingungslos unterstützen, zu reduzieren.

Dieser Wandel verschafft den afrikanischen Nationen größeren politischen Spielraum, unabhängige Positionen einzunehmen, die in ihrem eigenen Interesse sind, frei von westlichem Druck.

In diesem Kontext unterstützen Russland und China im Allgemeinen internationale Resolutionen, die die israelische Politik verurteilen und bieten afrikanischen Staaten diplomatische Unterstützung dabei, stärkere Standpunkte gegenüber Tel Aviv einzunehmen.“

Quelle:

Dr. Mahmoud Hanafi, „Africa’s unyielding solidarity with Palestine: a fresh setback for Netanjahu“. Artikel vom 8. März 2025 im Palestine Chronicle. https://www.palestinechronicle.com/africas-unyielding-solidarity-with-palestine-a-fresh-setback-for-netanyahu/

Mir tut es in diesen Zeiten manchmal gut, mich darauf zu besinnen, dass wir Europäer und US-Amerikaner zusammengenommen auf diesem Planeten nur eine kleine Minderheit sind. Die EU und die USA kommen zusammen nicht einmal auf 10 Prozent der Weltbevölkerung. Afrika alleine hat fast 20 Prozent, Asien fast 60. Wie lange werden diese knapp 10 Prozent (mit ihrer ungünstigen Altersstruktur und ihren strukturellen Wirtschaftskrisen) noch den Rest der Welt beherrschen können? Wer ist eigentlich abhängig von wem? Wer pflückt unsere Kaffeebohnen, näht unsere Kleidung, baut unsere Smartphones zusammen, trainiert „unsere“ künstliche Intelligenz? Nur als Gedankenexperiment: Was wäre, wenn Afrika, Asien und Lateinamerika morgen gemeinsam ein Handelsembargo gegen die EU und die USA beschließen würden?

Quellen:

https://www.destatis.de/DE/Themen/Laender-Regionen/Internationales/Thema/bevoelkerung-arbeit-soziales/bevoelkerung/Weltbevoelkerung.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_und_Territorien_nach_Einwohnerzahl

***

Nachrichten aus aller Welt

„Arik Ascherman, ein alter jüdischer Menschenrechtsaktivist, versuchte, den Diebstahl eines Schafs von einem palästinensischen Hirten im Westjordanland zu verhindern. Soldaten oder bewaffnete Siedler, die am Schauplatz eintrafen, nahmen ihn mit, und seither weiß niemand, wo er sich befindet. Weder die Armee noch die Polizei haben Auskunft über seinen Aufenthaltsort oder seinen gesundheitlichen Zustand gegeben.“

Quelle: Hanin Majadli, Journalistin und Redakteurin bei Haaretz, 2. März 2025. Aussendung 14/2025 von Dr. Martha Tonsern, Vertretung des Staates Palästina in Österreich.

***

In Saudi Arabien gab es ein Treffen der Organisation of Islamic Cooperation (OIC). Die OIC-Länder unterstützen den ägyptischen Wiederaufbauplan für Gaza und betonen das Recht der Palästinenser, auf ihrem Land zu bleiben.

Quelle: https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/8/live-israel-kills-two-in-north-gaza-maintains-blockade-on-all-aid (09.00)

***

Westjordanland: Die israelische Armee ist in die Stadt Nablus eingedrungen.

Quelle: https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/8/live-israel-kills-two-in-north-gaza-maintains-blockade-on-all-aid (08.15)

***

27.2.2025: Unter dem Motto „Besatzung, Vertreibung und Siedlung“ demonstrieren in Jerusalem Hunderte Siedler für die Vertreibung der Palästinenser. Nur die „Umsiedlung bringt Frieden“ ist auf Transparenten zu lesen, der Gazastreifen müsse neu besiedelt werden. […] Die Ministerin für den Schutz der Umwelt, Idit Silman (Likud Partei) erklärte, die einzige Lösung für Gaza sei es, „Gaza von den Leuten in Gaza zu leeren“. Auch Jenin und Nablus im Westjordanland seien „das Erbe“ von Israel.

Quellen: https://globalbridge.ch/israel-verwuestet-seine-nachbarn-an-sieben-fronten-gaza-westjordanland-libanon-syrien-irak-jemen-iran/; https://www.timesofisrael.com/occupy-expel-settle-minister-mks-at-far-right-rally-call-to-empty-gaza-of-gazans/

***

Israelische Siedler stürmen den Hof der Al-Aqsa-Moschee (das drittwichtigste Heiligtum des Islam) im besetzten Ostjerusalem. Israelische Soldaten schalten zeitgleich in einem der Gebetssäle die Lautsprecher ab.

Quelle: https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/9/live-israel-to-send-negotiators-to-doha-hamas-against-temporary-truce (13.00)

***

Westjordanland: Israelische Soldaten schießen in den Städten Hebron und Ramallah.

Quelle: https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/9/live-israel-to-send-negotiators-to-doha-hamas-against-temporary-truce (13.00)

***

In Wien verabschiedet eine Gruppe von Jüdinnen und Juden die „Wiener jüdische antizionistische Erklärung“. Ein Auszug daraus:

„Über den ganzen Globus hinweg verurteilen Jüd:innen wie wir das Vorgehen Israels gegen die Palästinenser:innen, den Völkermord, den Israel in Gaza begeht, die ethnische Säuberung und koloniale Inbesitznahme des Westjordanlands. Unmissverständlich erklären wir: „Das passiert nicht in unserem Namen!“ und „Nie wieder muss für alle Menschen gelten!“

Quelle: https://www.juedisch-antizionistisch.at/

***

Am 30. Januar wurde in Den Haag die sog. „Haager Gruppe“ gegründet. Sie besteht aus neun Ländern: Namibia, Südafrika, Malaysia, Kolumbien, Bolivien, Chile, Senegal, Honduras und Belize. Diese Länder haben sich zu drei Maßnahmen verpflichtet:

1. Sie werden die Strafbefehle des Internationalen Strafgerichtshofs gegen mutmaßliche israelische Kriegsverbrecher umsetzen.

2. Sie liefern keine Waffen nach Israel.

3. Sie erlauben nicht die Nutzung ihrer Häfen für Waffentransporte nach Israel.

Quellen:

https://www.jungewelt.de/artikel/495072.genozid-in-pal%C3%A4stina-wenn-wir-dagegen-sind-m%C3%BCssen-wir-das-sagen.html

***

Am 21. Februar 2025 wurde in Hebron der 12jährige Ayman al-Hammouni durch eine israelische Kugel getötet. Er befand sich mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder vor dem Haus eines Verwandten, als Soldaten von der Hauptstraße her in die schmale Seitengasse schossen. Es gibt Videoaufnahmen von dem Vorfall. Später verhöhnte ein israelischer Soldat den Vater des Kindes. Er soll gesagt haben: „Beweis mir, dass er unschuldig war.“

Quellen: https://www.palestinechronicle.com/palestinian-child-shot-by-israeli-forces-the-guardian-details-last-moments/; https://www.theguardian.com/world/video/2025/mar/01/how-a-12-year-old-boy-was-killed-in-the-west-bank-video-analysis

***

Israelische Armeefahrzeuge greifen das Beduinendorf Umm al-Nasr in Nordgaza an. Es wird mit schweren Geschützen gefeuert.

Quelle: https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/11/live-israel-starving-gaza-as-houthis-threaten-to-resume-red-sea-attacks (06.15)

***

In verschiedenen Teilen des Westjordanlandes werden Dutzende Palästinenser/innen verhaftet.

Quelle: https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/11/live-israel-starving-gaza-as-houthis-threaten-to-resume-red-sea-attacks (08.00)

***

Im Libanon greift eine israelische Drohne ein Auto an. Ein Mensch kommt dabei ums Leben.

Quelle: https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/11/live-israel-starving-gaza-as-houthis-threaten-to-resume-red-sea-attacks (11.55)

***

New York: In der Nacht vom 8. auf den 9. März wurde der Student Mahmoud Khalil verhaftet. Er studiert an der Columbia Universität und war einer der Anführer der pro-palästinensischen Proteste an der Columbia. Am 10. März fand in New York ein großer Protestmarsch für die Freilassung von Mahmoud Khalil statt. Unter den Demonstranten befanden sich auch orthodoxe Juden. Ein amerikanisches Bundesgericht hat die Ausweisung von Mahmoud Khalil vorerst verhindert. Khalil ist Inhaber einer Green Card, also einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung in den USA.

Quellen: https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/9/live-israel-to-send-negotiators-to-doha-hamas-against-temporary-truce (16.50); https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/11/live-israel-starving-gaza-as-houthis-threaten-to-resume-red-sea-attacks (07.45, 13.00); https://www.palestinechronicle.com/federal-judge-blocks-deportation-of-columbia-student-activist-from-us/

***

Dr. Hussam Abu Safiyah (siehe u. a. meinen Blog-Beitrag vom 27. Februar) konnte erneut mit einer Anwältin sprechen (das zweite Mal seit seiner Inhaftierung Ende Dezember). Die Anwältin gab neue Details über seine Haft bekannt. In einer Phase wurde er 13 Tage hintereinander verhört, und jedes Verhör dauerte 8 bis 10 Stunden. Während der Verhöre wurde er brutal misshandelt.

Quelle: https://www.palestinechronicle.com/dr-abu-safiya-interrogated-for-13-consecutive-days-tortured-and-abused/

***

Die pakistanische Architektin Yasmin Lari hat einen Architekturpreis einer israelischen Organisation abgelehnt. Sie sagte: “In den vergangenen 17 Monaten habe ich fast täglich den entsetzlichen Genozid in Gaza mitangesehen. Ich hatte keine andere Wahl als die Ehrung abzulehnen. Ich denke einfach, dass es das Richtige ist.”

Quelle: https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/12/live-israeli-hamas-and-us-negotiators-in-doha-for-gaza-truce-talks (11.30)

***

Westjordanland: Ein Dorf in Masafer Yatta (siehe u. a. meinen Blog-Beitrag vom 5. Februar) wird zunächst von Siedlern gestürmt, dann von israelischen Soldaten. Drei Palästinenser werden verhaftet.

Quelle: https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/8/live-israel-kills-two-in-north-gaza-maintains-blockade-on-all-aid (13.15)

***

Doha (Katar): Ein US-Gesandter führt direkte Gespräche mit Hamas-Vertretern über die Freilassung von Geiseln. Bislang hatte die USA direkte Gespräche mit der Hamas (die in den USA als Terrororganisation eingestuft wird) immer verweigert.

Quelle: https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/9/live-israel-to-send-negotiators-to-doha-hamas-against-temporary-truce (13.00)

***

Libanon: Die libanesische Armee meldet, dass einer ihrer Soldaten von den Israelis angeschossen, verwundet und nach Israel verschleppt wurde. Netanjahu erklärt, er wäre bereit, über den Grenzverlauf mit dem Libanon zu verhandeln. (Israels Militär ist im vergangenen Jahr in den Libanon eingedrungen und hat ein Abkommen über den Abzug seiner Truppen gebrochen.) Außerdem würde Israel als „Geste“ gegenüber dem libanesischen Präsidenten fünf nach Israel verschleppte Libanesen freilassen.

Quellen: https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/10/live-israel-to-join-doha-talks-after-cutting-off-electricity-to-gaza (15.30); https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/3/11/live-israel-starving-gaza-as-houthis-threaten-to-resume-red-sea-attacks (16.00)

***

Buchtipp: Adania Shibli, Eine Nebensache. Roman.

Der Roman besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil wird eine Geschichte aus dem Jahr 1949, also aus der Gründungsphase Israels, erzählt: Ein Trupp der israelischen Armee ist in der Negev-Wüste nahe der ägyptischen Grenze stationiert. Seine Aufgabe: „den Südwesten des Negev systematisch zu durchkämmen und von etwaig verbliebenen Arabern zu säubern.“ (S. 6) Eines Tages stoßen die Soldaten bei einer ihrer Patrouillenfahrten auf eine Gruppe von arabischen Beduinen. Sie erschießen die unbewaffneten Männer und ihre Kamele. Nur ein Mädchen und ein Hund überleben das Massaker. Beide werden in das Militärlager gebracht. Die junge Frau wird gefangengehalten, von etlichen Soldaten und vom Kommandanten vergewaltigt und anschließend ermordet. Ihre Leiche wird irgendwo im Sand verscharrt.

Dieser Teil der Geschichte wird aus der Perspektive des israelischen Kommandanten erzählt. Ein allwissender Erzähler beschreibt penibel die Sinneseindrücke des Kommandanten, blendet jedoch seine Emotionen und Gedanken aus.

Der zweite Teil der Erzählung spielt in der Gegenwart. Eine Palästinenserin aus dem Westjordanland liest in der Zeitung einen Bericht über das Geschehene. Die Geschichte zieht sie in ihren Bann, aber nicht wegen der Gewalttat an sich, sondern weil der Mord an der Beduinin auf den Tag genau 25 Jahre vor ihrem Geburtstag stattgefunden hat. Daher beschließt sie, Näheres über das Schicksal des Beduinenmädchens herauszufinden. Zu diesem Zweck reist sie per Mietwagen in den Negev, also nach Israel.

Eine Verfilmung dieses zweiten Teils der Erzählung würde ein Roadmovie werden. Ein Wochenende lang ist die Ich-Erzählerin allein unterwegs in einem Land, das ihr fremd geworden ist, weil sie darin kaum noch Spuren palästinensischen Lebens entdecken kann.

Die Reise ist mühsam und riskant. Nach Israel kann sie nur reisen, weil eine Arbeitskollegin ihr ihren Ausweis leiht und eine andere Person den Mietvertrag für das Auto unterschreibt. Als Palästinenserin aus dem Westjordanland ist ihr die Einreise nach Israel nicht erlaubt. Sie ist also unter falschem Namen unterwegs. Immer wieder muss sie Checkpoints der israelischen Armee passieren. Vor jedem Checkpoint bekommt sie eine Panikattacke. In der Warteschlange vor einem der Checkpoints verkauft ihr ein palästinensisches Mädchen aus einem Flüchtlingslager ein Päckchen Kaugummi, das ihr am Ende zum Verhängnis wird.

Sie versucht, den Weg so zu wählen, dass möglichst wenige Checkpoints auf der Route liegen. Doch das ist schwierig, weil keine Karte alle aktuellen Checkpoints aufweist. Alte Straßen, die sie von früher noch kennt, enden an einer Betonsperre. Mehrere Straßenkarten hat sie dabei, eine alte palästinensische und eine neuere israelische. Auf der alten palästinensischen Karte sind zahlreiche Dörfer eingezeichnet, von denen nichts mehr existiert, nicht einmal die Ortsnamen. Während sie durch die von allem Palästinensischen „gesäuberte“ Landschaft fährt, kann sie den Blick auf die alte Karte nicht mehr ertragen.

Unterwegs besucht sie ein Militärmuseum und ein israelisches Dorf, in dem sie auch übernachtet – stets darauf bedacht, ihre palästinensische Identität zu verbergen. Am Ende findet sie den Ort, an dem das Verbrechen von 1949 seinen Ausgang nahm.

Adania Shibli wurde 1974 in Palästina geboren. Sie studierte in Jerusalem, Berlin und London. Sie arbeitet als Universitätsdozentin und Autorin. Sie schreibt Theaterstücke, Kurzgeschichten, Essays und Romane. Für Eine Nebensache hätte sie auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2023 einen Buchpreis erhalten sollen. Nach dem Anschlag der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 fanden die Veranstalter dies jedoch nicht mehr opportun.

Eine Nebensache erschien 2024 im Unionsverlag als Taschenbuch.

Quelle:

https://www.deutschlandfunk.de/adania-shibli-nebensache-liberaturpreis-100.html


Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar