Gute Nachrichten

Um es vorweg zu sagen: Die Nachrichten über Palästina, insbesondere über die Situation in der West Bank, die mich in den letzten Tagen erreichten, sind alles andere als gut. Aber es gibt zwischendurch auch gute Nachrichten. Sie können die Schwere der schlechten Nachrichten nicht aufwiegen, aber sie sind zu wichtig, um in der Flut der schlechten Nachrichten unterzugehen. Deshalb möchte ich heute einige gute Nachrichten teilen.

1:0 für Aida

Bild: Der Fußballplatz im Flüchtlingscamp Aida in Bethlehem, im besetzten Westjordanland, im Schatten der israelischen Sperrmauer, die das besetzte Ostjerusalem vom Westjordanland trennt. Quelle: https://www.middleeasteye.net/news/israel-threatening-demolish-popular-west-bank-youth-football-pitch [Lubna Masarwa, Middle East Eye]

Der Kunstrasenplatz im Flüchtlingslager Aida in Bethlehem wurde 2021 errichtet. Er ist die Heimstätte von Aida Celtic, einem Club, der 2019 mit Unterstützung der Green Brigade gegründet wurde und in Aida eine Fußballakademie für Kinder aufgebaut hat. Buben und Mädchen im Alter von 6 bis 19 Jahren trainieren dort. Mädchen von Aida Celtic spielen in der Jugendauswahl des palästinensischen Nationalteams.

Doch hier geht es um mehr als nur um Fußball. Bethlehem ist ein Freiluftgefängnis. Die israelische Mauer, dieses Bauwerk der Schande, trennt die Einwohner Bethlehems von ihrem Grundbesitz auf der anderen Seite, von Verwandten und Freunden, von Chancen auf Arbeit und Einkommen, von Bildungsmöglichkeiten und Gesundheitsversorgung, von wichtigen religiösen Stätten – und nicht zuletzt vom Meer.

PalästinenserInnen dürfen nur mit einer ausdrücklichen Genehmigung der israelischen Armee auf die andere Seite der Mauer; und diese Genehmigungen werden sparsam vergeben und sind in der Regel jeweils nur für kurze Zeit gültig; und selbst wenn man eine solche Genehmigung hat, ist das keine Garantie dafür, dass der Soldat am Kontrollpunkt einen auch tatsächlich passieren lässt.

Auch innerhalb der West Bank ist die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bewohner massiv eingeschränkt. Straßensperren und schikanöse Kontrollen durch israelische Soldaten alle paar Kilometer sowie willkürliche Gewalt sowohl durch Soldaten als auch durch israelische Siedler machen selbst kleine Reisen zu zeitaufwändigen und gefährlichen Unternehmungen. Bethlehem wird erdrückt durch die Mauer auf der einen Seite und rasend schnell wachsende und sich vermehrende israelische Siedlungen auf der anderen Seite. Die Siedlungen sind nicht nur ein Problem, weil sie Ressourcen an Land und Wasser verschlingen, sondern auch, weil die palästinensischen Einwohner „aus Sicherheitsgründen“ nicht einmal in die Nähe dieser Siedlungen kommen dürfen – und weil die Siedler die palästinensischen Einwohner immer mehr selbst in deren eigenen stetig schrumpfenden Siedlungsgebieten terrorisieren.

In Bethlehem selbst gibt es keine einzige öffentliche Parkanlage. Es gibt keinen Badesee, in dem man Spaß haben, keinen Wald, in dem man sich entspannen und zur Ruhe finden könnte. In Bethlehem gibt es überhaupt keine Freizeiteinrichtungen – nicht einmal ein Kino. Aufgrund der Abriegelung durch die Mauer liegt die Wirtschaft der Stadt am Boden, die Arbeitslosigkeit ist hoch.

Ist das Leben in der Stadt Bethlehem schon schwierig, so ist es im Flüchtlingslager Aida noch viel schwieriger. Flüchtlingslager im Westjordanland bestehen schon lange nicht mehr aus Zelten, aber sie sind extrem dicht verbaut, mit hoher Bevölkerungsdichte. Außerdem sind Flüchtlingslager noch viel mehr als die ursprünglichen Ortschaften und Stadtviertel dem Terror der israelischen Armee ausgesetzt. Aida ist umgeben von militärischen „Checkpoints“, Militärstützpunkten und Wachtürmen. Immer wieder dringen israelische Soldaten in das Lager ein, stürmen Häuser, richten Zerstörungen an, plündern und rauben, misshandeln und verhaften die Einwohner willkürlich.

Der Fußballplatz ist für die jungen Menschen in Aida – trotz der allgegenwärtigen Mauer – ein Ort, an dem ihre Seelen frei atmen können, ein Ort der Sicherheit, der Normalität, an dem die sonst ständig vorhandene Anspannung für eine Weile von ihnen abfällt. Es ist der einzige Ort dieser Art, den sie haben.

Im November des vergangenen Jahres kam die Hiobsbotschaft in Form eines Schriftstücks, das israelische Soldaten an dem Tor des Platzes befestigten. Darauf stand geschrieben, dass alle Aktivitäten auf diesem Platz unverzüglich einzustellen seien und dass der Platz wegen einer fehlenden Baugenehmigung demoliert werden könnte.

Das Grundstück ist im Besitz der armenischen Kirche. Diese hatte es seit mehr als 20 Jahren an die Stadt Bethlehem verpachtet. Die Mauer selbst steht auf palästinensischem Land. Dass der Platz ohne Baugenehmigung errichtet wurde, ist sachlich richtig: Palästinenser müssen auf ihrem eigenen Land in Israel um Baugenehmigung ansuchen, und sie erhalten diese fast nie. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung sagte, sie hätten niemals eine Baugenehmigung so nahe an der Mauer erhalten. Der Platz wäre jedoch schon vor der Gründung von Aida Celtic zum Fußballspielen genutzt worden.

Es gibt kein freies Stück Land, auf das Aida Celtic ausweichen könnte. Ein großer Teil des Landes, das zur Stadt Bethlehem gehört, wurde von Israel beschlagnahmt. Es darf von Palästinensern nicht mehr genutzt werden.

Die Nachricht von der drohenden Zerstörung des Trainingszentrums war ein harter Schlag für die Kinder, deren Eltern und die Betreuer. Aber es war auch eine Nachricht, die in die Welt hinausging, und sie wurde nicht passiv hingenommen. Fast 360.000 Menschen aus der ganzen Welt haben eine Petition an die FIFA und an die UEFA unterschrieben. Der Text der Petition lautete:

„Wir bitten Sie dringend zu intervenieren, um die Demolierung des Fußballplatzes im Flüchtlingslager Aida zu stoppen und das Recht palästinensischer Kinder auf Spielen zu schützen. Fußball ist für alle da.

FIFA und UEFA hatten sich in der jüngeren Vergangenheit als treue Freunde Israels verhalten. Doch der Fall der Kinder des Flüchtlingslagers Aida schlug international so hohe Wellen, dass sie schließlich tätig wurden. Laut Jerusalem Post waren ihre Beweggründe eher finanzieller als moralischer Natur. Die UEFA genießt in der Schweiz Steuerprivilegien, weil sie als „gemeinnützige Organisation“ eingestuft wird. Manchen Schweizer Parlamentariern ist das schon länger ein Dorn im Auge. Hätte die UEFA nun ein humanitäres Vorzeigeprojekt wie die Aida-Fußballakademie einfach aufgegeben, wäre das Wasser auf die Mühlen jener Schweizer Politiker gewesen, die der UEFA gern den Gemeinnützigkeits-Status entziehen würden. Die UEFA wäre vor der Welt nackt dagestanden als das, was sie ihrem Wesen nach ist: ein Milliardengeschäft ohne jede Moral.

Um ihr Gemeinnützigkeits-Feigenblatt nicht zu verlieren, entschlossen sich UEFA und FIFA, Druck auf den israelischen Fußballverband auszuüben. Dieser wiederum überzeugte die israelische Regierung davon, dass der Image-Schaden, der durch eine Demolierung des Aida-Bolzplatzes entstehen würde, im Moment zu groß wäre.

Das alles wäre nicht geschehen ohne den Druck „von unten“, also den Aktivismus der internationalen propalästinensischen Bewegung.

Das Resultat: Der Demolierungsbeschluss wurde eingefroren. Freilich: Er könnte jederzeit wieder aufgetaut werden. Jetzt wird jedenfalls wieder trainiert, im Schatten der Mauer. Damit das so bleibt ist es wichtig, dass wir, die internationale Gemeinschaft der palästinasolidarischen Menschen, wachsam bleiben, nicht aufhören, hinzusehen und zuzuhören – und über das Gesehene und Gehörte zu sprechen.

Bild: Training auf dem Platz von Aida Celtic. [Lubna Masarwa, Middle East Eye] Quelle: https://www.middleeasteye.net/news/israel-threatening-demolish-popular-west-bank-youth-football-pitch

Quellen:

https://www.middleeasteye.net/news/israel-threatening-demolish-popular-west-bank-youth-football-pitch

https://secure.avaaz.org/campaign/en/don_t_bulldoze_our_pitch_loc/

https://www.jpost.com/israel-news/sports/article-886385

Johannes Zang, „Und am Kontrollpunkt wartet die Erniedrigung.“ 33 Christen aus Palästina reden Klartext. Messidor Verlag, 2026.

Ehrendoktor für Francesca Albanese

Drei belgische Universitäten haben beschlossen, Francesca Albanese die Ehrendoktorwürde zu verleihen: Vrije-Brüssel, Antwerpen und Gent. Die feierliche Zeremonie soll am 2. April in Gent stattfinden. Die chilenische, in Kanada lebende Journalistin Claudia Aranda berichtet darüber:

Für die Vrije Universität Brüssel hat deren Rektor darauf hingewiesen, dass die Universität angesichts von Ungerechtigkeiten kein neutraler Raum sei, sondern ein Ort, an dem kritisches Denken frei von äußerem Druck fortbestehen muss. Die Universität Antwerpen betonte, dass diese gemeinsame Anerkennung eine von allen geteilte Überzeugung zum Ausdruck bringt: dass die Wissenschaft eine soziale Verantwortung trägt, der sie sich nicht entziehen kann, wenn Völkerrecht systematisch verletzt wird. Die Universität Gent betonte ihrerseits, dass die Ehrung von Albanese das Prinzip honoriert, dass Forschung und Analyse von Rechtsangelegenheiten nicht Einschüchterungskampagnen oder bedingten politischen Interessen untergeordnet werden können.

Natürlich schäumten die Israel-Lobbyisten. Die Diffamierungskampagne folgte auf dem Fuße. Die drei belgischen Universitäten ließen sich davon nicht beirren. 

Die von Francesca Albanese den Vereinten Nationen vorgelegten Berichte stellen eine der schwerwiegendsten und sorgfältigst belegten Dokumente über die Zerstörung Gazas dar. Darin erklärt die Berichterstatterin, dass wenn man nicht nur direkte Todesfälle durch Bombenanschläge und Militärangriffe, sondern auch indirekte Todesfälle durch erzwungenen Hunger, durch den Zusammenbruch des Gesundheitssystems, durch die gezielte Zerstörung ziviler Infrastruktur, durch Dehydrierung, durch vermeidbare Krankheiten und durch massive Zwangsvertreibungen betrachtet, die tatsächliche Zahl der getöteten Palästinenser sich auf mindestens 680.000 Menschen beläuft, eine Zivilbevölkerung, die überwiegend aus Kindern, Frauen und älteren Menschen bestand.

[…]

Angesichts dieser Realität ist die Reaktion der zionistischen Organisationen, die heute versuchen, diese akademische Anerkennung zu sabotieren, keine Verteidigung von Ethik oder der Bewahrung von historischer Erinnerung. Es ist die Reaktion eines politischen Apparats, der sich selbst angesichts der Beweise entlarvt, herausgefordert und zunehmend isoliert sieht. Es ist die symbolische Gewalt derer, die die Fakten nicht widerlegen können und stattdessen denjenigen angreifen, der sie benennt.

Die Antwort der belgischen Universitäten ist daher von großer Bedeutung. […] Sie sagen unmissverständlich, dass die Universität sich nicht politischem Mobbing oder moralischer Erpressung beugt. Sie erinnern uns daran, dass Wissen nicht vor der Macht kapituliert, wenn Macht Verbrechen begeht.

Quelle:

Francesca Albanese und die Würde der Intelligenz: wenn eine Universität sich weigert, sich zu beugen

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Gerechtigkeit für Palestine Action

Der High Court in London (einer der obersten Gerichtshöfe in Großbritannien) urteilte am Freitag dieser Woche, dass die Einstufung der Gruppe Palestine Action als Terrororganisation unverhältnismäßig und daher nicht rechtmäßig sei. Die britische Regierung hatte diese Einstufung vorgenommen auf der Basis von mehreren Fällen von Sachbeschädigung. Mitglieder von Palestine Action waren in eine Militärbasis eingedrungen und hatten Flugzeuge mit roter Farbe beschmiert.

Die Entscheidung der Regierung rief landesweit monatelange Proteste hervor. Bürgerinnen und Bürger aller Altersgruppen und aller sozialen Schichten gingen auf die Straße mit Plakaten, auf denen zu lesen stand „I oppose genocide, I support Palestine Action“. Die Unterstützung einer Terrororganisation (und sei es auch nur in Form einer verbalen Erklärung) gilt in Großbritannien als Straftat, die mit langjährigen Haftstrafen geahndet werden kann. 2.787 Personen waren von der britischen Polizei verhaftet worden, weil sie Plakate mit dieser Aufschrift getragen hatten. Bilder von SeniorInnen, die von der Polizei weggetragen wurden, gingen um die Welt. Gemäß dem Urteil vom Freitag sind diese Verhaftungen unrechtmäßig.

Ein Mitglied der britischen Regierung kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Das ist bis Freitag kommender Woche möglich. Falls tatsächlich Berufung eingelegt wird, bleibt die Einstufung als „Terrororganisation“ so lange in Kraft, bis über die Berufung entschieden ist. Das kann lange dauern. Bis dahin bleiben die wegen „Terrorunterstützung“ Inhaftierten in Haft. Die Polizei hat jedoch bereits angekündigt, dass man bis auf weiteres niemanden mehr wegen eines Plakats mit der Aufschrift „I oppose genocide, I support Palestine Action“ verhaften werde.

Viele Menschen haben die Entscheidung des Gerichts gefeiert. Huda Ammori, Mitbegründerin von Palestine Action, ist zuversichtlich, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Terror-Einstufung endgültig aufgehoben wird. 

https://aje.news/cfmk9v?update=4311864

https://aje.news/cfmk9v?update=4311971

https://www.aljazeera.com/news/2026/2/13/uk-court-says-palestine-action-ban-unlawful-what-does-the-verdict-mean

https://aje.news/cfmk9v?update=4311862

https://aje.news/cfmk9v?update=4311770

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