
Bild: Spuren einer Substanz, die von israelischen Siedlern mit Hilfe von Drohnen über palästinensischen landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wurde. Quelle: https://taayush.org/?p=6513
Masafer Yatta ist die südlichste Region des von Israel seit 1967 besetzen Westjordanlandes. Palästinenser leben hier seit Generationen als Bauern und Viehhirten in kleinen Dörfern.
Israel versucht seit Jahrzehnten, die palästinensische Bevölkerung von dort zu vertreiben. Eine seit langem praktizierte Methode dafür ist die fast ausnahmslose Verweigerung von Baugenehmigungen für PalästinenserInnen und die Demolierung jener Gebäude, die zwangsläufig ohne Baugenehmigung errichtet wurden. In der Regel handelt es sich dabei um sehr einfache Wohnhäuser, landwirtschaftliche Gebäude oder Dorf-Infrastruktur, zum Beispiel Schulen.
Zeitgleich sprießen in derselben Gegend illegale jüdische Siedlungen wie die Pilze aus dem Boden. Der mit einem Oscar ausgezeichnete palästinensisch-israelische Dokumentarfilm No Other Land zeigt eindrücklich den zermürbenden Widerstand der Dorfbewohner gegen die Bürokratie des israelischen Apartheit-Systems und die Angriffe der gewalttätigen jüdischen Siedler.
No Other Land wurde vor dem Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 gedreht. Seither hat sich die Lage für die palästinensische Bevölkerung in Masafer Yatta – und eigentlich im gesamten Westjordanland – noch einmal drastisch verschlechtert.
Zahllose Berichte habe ich gelesen über Angriffe auf Menschen (bis hin zum Mord), über Diebstahl, Raub, Vandalismus und Brandlegung. Auch die Zerstörung landwirtschaftlicher Flächen ist nichts Neues: Eingebrannt in mein Gedächtnis haben sich Bilder von brennenden Feldern, ausgerissenen Setzlingen und Olivenbäumen, die umgeschnitten oder mit einem Bulldozer entwurzelt wurden. Neu ist für mich aber der Einsatz von Gift. Hier ein aktueller Bericht darüber:
„Die chemische Kriegsführung der Siedler weitet sich aus. Inzwischen wurden Hunderte von Dunam mit einer verdächtigen chemischen Substanz besprüht, die Pflanzen umbringt (siehe Foto). [1 Dunam = ca. 919 m2]. […] Es gibt auch mehrere Berichte […] über Schafe, die ohne erkennbaren Grund verendet sind oder Fehlgeburten erlitten. Die Ausbringung des Gifts erfolgt meist mit Drohnen. Drohnen, die groß genug für die Ausbringung von Chemikalien sind, brauchen eine Fluggenehmigung der Armee, und ihre Flüge werden von der Armee überwacht. Es wäre also im Prinzip leicht für die Polizei und die Armee, die mutmaßlichen Täter zu ermitteln, wenn sie daran Interesse hätten. Aber die Polizei ist nicht einmal bereit, Bodenproben zu nehmen.“
Dies ist ein Ausschnitt aus einem Bericht über gegen Palästinenser gerichtete Aktionen in Masafer Yatta im Zeitraum von 6. bis 12. Februar. Hier die Bilanz einer einzigen Woche:
- Am 6. Februar entleerte ein Siedler den Wassertank einer Familie in Tuba.
- Ebenfalls am 6. Februar stahlen Siedler in Umm al-Kheir ein Auto.
- Am 7. Februar zerstachen israelische Soldaten alle Reifen von zwei Autos.
- Am 8. Februar zapften Siedler eine palästinensische Wasserleitung an und leiteten das Wasser zu ihrem Außenposten.
- Ebenfalls am 8. Februar stoppte die Armee die Errichtung eines Fußballplatzes in Umm al-Kheir.
- Am 10. Februar demolierte die Armee fünf Häuser und konfiszierte ein Zelt. Dabei wurde ein Lamm überfahren.
- Am 11. Februar demolierten Siedler ein Auto.
Darüber hinaus:
„Auch in dieser Woche gab es wieder Dutzende von Invasionen in palästinensische Gemeinden mit Tierherden, dazu Angriffe und Pogrome von Siedlern, Soldaten und Siedlersoldaten. Allein am 6. Februar gab es 15 Angriffe und Invasionen. Dabei wurden fünf Palästinenser festgenommen (einer von ihnen wurde später blutend auf eine Straße geworfen) und weitere acht wurden inhaftiert. […] Wie es schon zur Routine geworden ist, entführen Siedler der „Farm-Patrouillen-Einheit“ bei solchen Überfällen palästinensische Einwohner und legen diese einige Stunden später irgendwo in der Gegend ab, nachdem sie sie geschlagen und misshandelt haben. Dem Gesetz nach dürften Soldaten Menschen eigentlich nur festnehmen, um sie zum Zweck einer Ermittlung zur Polizei zu bringen. Doch in Masafer ist das einzige Gesetz die jüdische Vorherrschaft, und Palästinenser zu schikanieren fällt unter dieses Gesetz. Daher wurde natürlich keiner der Angreifer festgenommen oder verhört.“
Das ist der Alltag für PalästinenserInnen im besetzten Westjordanland. Nichts Dramatisches, nichts, das Schlagzeilen machen würde. Nur täglicher Terror und Schikane.
Der obige Bericht wurde am 16. Februar gepostet, und zwar auf der Webseite von Ta’ayush. Ta’ayhush ist eine antizionistische arabisch-jüdische Organisation. Auszug aus ihrer Selbstbeschreibung:
„Im Herbst 2000 schlossen wir uns zusammen, um ‚Ta’ayush‘ zu gründen. ‚Ta’ayhush’ ist arabisch für ,zusammenleben‘. Wir sind eine Graswurzelbewegung aus Arabern und Juden. Wir arbeiten daran, die Mauern des Rassismus und der Apartheit niederzureißen, indem wir eine echte arabisch-jüdische Partnerschaft aufbauen. Gemeinsam streben wir nach einer Zukunft der Gleichheit, der Gerechtigkeit und des Friedens. Dies versuchen wir zu erreichen durch konkrete, tägliche gewaltfreie Handlungen der Solidarität, um die Besatzung der palästinensischen Gebiete zu beenden und volle bürgerliche Gleichheit für alle zu erlangen.“
Quelle: https://taayush.org/?p=6513
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Die Palästinenser in Masafer Yatta sind keine bewaffneten Kämpfer. Sie sind friedliebende Dorfbewohner, die nichts anderes wollen, als unbehelligt ihr Land bewirtschaften, ihre Feste feiern, ihren Kindern eine gute Bildung ermöglichen – und Fußball spielen.

Bild: Kunstrasen in Umm-al-Kheir im Februar 2026. Foto übermittelt in einer Mail der Villages Group.
Zum oben erwähnten Fußballplatz in Umm al-Kheir erreichte mich noch diese Nachricht, unter der Überschrift:
„Palestinians are NOT ALLOWED to ENJOY their lives“ [„PalästinenserInnen dürfen keine Freude am Leben haben“].
„Gleich nachdem wir, vor einigen Wochen, mit der Errichtung begannen, wurde der Fußballplatz von Umm al Khair das Ziel einer intensiven bösartigen Kampagne rechtsgerichteter Israelis. Deren Ziel war es, die Palästinenser unserer Gemeinschaft JEDER Quelle von Spaß und Freude zu berauben. Die Kampagne startete kurz nachdem wir den Kunstrasen ausgerollt hatten. Die Regavim-Bewegung [eine israelische Siedlerorganisation] kam zu unserem Platz, filmte und verlangte von ihren Kumpanen in der israelischen Besatzungsarmee, der Freude von Kindern und Erwachsenen ein Ende zu machen. Die Armee kam dem Wunsch umgehend nach und platzierte einen Baustopp-Befehl der sogenannten ,zivilen Verwaltung’ am Eingangstor.
Ein weiterer Tag im Leben der Gemeinschaft von Umm Al Khair … Eine weitere Verzweiflung. … […] … Ein weiterer Kampf.“
Diese Nachricht aus Umm al Khair wurde per Mail von der Villages Group gesendet.
Das Ziel der Siedlerorganisation Regavim ist es, jegliche Bautätigkeit von PalästinenserInnen zu unterbinden. Sie betrachten dies als Maßnahme zum Schutz „ihres“ Landes, während die Entstehung „wilder“ jüdischer Siedlungen nicht nur geduldet, sondern gefördert wird. Eines der Gründungsmitglieder von Regavim ist der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich.
Quellen:
https://en.wikipedia.org/wiki/Regavim_(NGO)
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Datteln aus Israel?
Wenn man Berichte wie den obigen liest, kann man leicht in eine depressive Stimmung verfallen: So viel himmelschreiendes Unrecht, und man ist ohnmächtig, kann nichts dagegen tun … Aber das stimmt nicht ganz. Man kann eine ganze Menge tun. Von einem der Dinge, die man tun kann, handelt das Folgende.
Datteln haben gerade Saison. Man findet sie in großen Mengen und an auffälliger Stelle in den hiesigen Supermärkten angeboten. Nicht selten wird als Herkunftsland „Israel“ angegeben.
Aber woher kommen diese Datteln wirklich? Dieser Frage wollte ich auf den Grund geben. Ich schrieb daher jeweils eine Mail an den Kundenservice der beiden großen Supermarktketten in Österreich: Billa (gehört zum deutschen REWE-Konzern) und Spar. Hier meine Mail an Billa:
„Guten Tag,
In einem Grazer Billa-Markt fand ich zwei verschiedene Sorten von Ja-Natürlich-Bio-Datteln im Angebot: eine Sorte stammte laut Herkunftsangabe aus Tunesien, die andere aus Israel.
Datteln aus Tunesien finde ich wunderbar. Zu den Datteln aus Israel habe ich eine Nachfrage: Woher, genau, stammen diese Datteln? Können Sie ausschließen, dass sie aus den besetzten palästinensischen Gebieten (Westjordanland und Ostjerusalem) stammen?
Laut einem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs vom 19. Juli 2024 verstößt jeglicher Handel mit den illegalen jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten (Westjordanland und Ostjerusalem) gegen das humanitäre Völkerrecht.
Dass die EU dieses Handelsverbot bisher nicht umsetzt und somit seine völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht erfüllt, ist sehr bedauerlich. Als Kundin wünsche ich mir, dass in diesem Fall der Handel die Verantwortung übernimmt und auf gar keinen Fall Produkte aus den besetzten Gebieten verkauft.
Nicht nur sind die jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten völkerrechtswidrig. Es kommt hinzu, dass (häufig bewaffnete) jüdische Siedler in den besetzten Gebieten (unter dem Schutz und mit Beihilfe der israelischen Armee) fast jeden Tag Gewalttaten gegen die einheimische Bevölkerung begehen:
Misshandlungen und Tötungen von wehrlosen ZivilistInnen, Zerstörung von Häusern und landwirtschaftlichen Nutzflächen (u. a. durch Brandlegung), brutales Abschlachten von Tieren, Plünderungen und Raub.
Der israelische Finanzminister erklärte kürzlich öffentlich die Vertreibung der mehr als 3.000 000 Palästinenser im Westjordanland aus ihrer Heimat zum Ziel der israelischen Politik.
Ich finde, dass in dieser Situation jeglicher Handel mit Israel ausgesetzt werden sollte – so lange bis Israel sich an internationales Recht hält. Aber das Mindeste wäre aus meiner Sicht ein unbedingtes Embargo gegen Waren, bei denen nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass sie aus illegalen jüdischen Siedlungen stammen.
Als Kundin habe ich jedenfalls meine Entscheidung getroffen: Waren, die aus Israel stammen, kommen mir bis auf Weiteres nicht in den Einkaufskorb!
Mit freundlichen Grüßen, Maria Reicher-Marek“
Eine ähnliche Mail schickte ich an den Kundenservice von Spar.
Von Billa erhielt ich (lobenswerterweise) nach wenigen Tagen Antwort:
„Guten Tag,
vielen Dank für Ihre Nachricht und dass Sie Ihre Bedenken so offen mit uns geteilt haben. Wir verstehen sehr gut, dass Ihnen die genaue Herkunft der Produkte wichtig ist, und nehmen Ihr Anliegen sehr ernst.
Wie von Ihnen angefragt, haben wir die Herkunft der betreffenden Ja! Natürlich Bio‑Datteln nochmals sorgfältig geprüft. Anbei finden Sie das offizielle Zertifikat zum Artikel. Dieses bestätigt, dass die Datteln aus Israel stammen und nicht aus dem Westjordanland oder einem anderen besetzten Gebiet.
Transparenz und Rückverfolgbarkeit sind uns besonders wichtig. Daher legen wir großen Wert darauf, dass unsere Lieferanten die vollständige Herkunft der Ware nachweisen und die geltenden Qualitäts- und Herkunftsvorgaben erfüllen.
Wir danken Ihnen nochmals für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Engagement. Sollten Sie weitere Fragen zu diesem oder anderen Produkten haben, stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.“
Das mitgeschickte Zertifikat stammte vom 8. April 2025 und enthielt folgende Erklärung:
„Wir erklären hiermit, dass die KONVENTIONELLEN UND ORGANISCHEN MEDJOUL DATTELN, welche die S-FRUTTA SUDFRUCHTE IMPORT GMBH von unserer Firma: ‚FIELD PRODUCE MARKETING‘ erhält, ein Produkt aus Israel sind.
Diese Datteln werden ausgewählt, sortiert und verpackt in unserem Packhaus in BE’ER SHEVA, Hamesila 5, 8424910, Israel.“
Hier ist das Original-Zertifikat:
Ich antwortete:
„Herzlichen Dank für Ihre prompte und ausführliche Antwort!
Das beigefügte Zertifikat ist allerdings nicht geeignet, meine Bedenken zu zerstreuen.
Erstens stammt es von April 2025, betrifft also wohl nicht jene Ware, die jetzt bei uns angeboten wird.
Zweitens wird darin erklärt, dass die Datteln in Be’er Sheva (Israel) „selektiert, sortiert und abgepackt“ wurden. Es wird jedoch überhaupt nichts darüber gesagt, wo die Früchte geerntet wurden.
Für mich bleibt daher der Verdacht im Raum stehen, dass diese Datteln aus besetzten Gebieten stammen.“
Ich bin gespannt, ob ich darauf auch noch eine Antwort bekomme, und wie diese ausfallen wird. (Falls ja, werde ich in diesem Blog darüber berichten.)
Spar hat auf meine Anfrage überhaupt nicht reagiert.
Fazit: Wer vermeiden möchte, die völkerrechtswidrigen jüdischen Siedlungen im besetzten Westjordanland zu unterstützen, sollte von Waren „aus Israel“ besser die Finger lassen!
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