
Bild: Die Palästinenserin Maryam Bisharat hat ihren zweiten Karate-Weltmeistertitel geholt. Bildquelle: https://www.jordannews.jo/Section-130/Olympics/Palestinian-Maryam-Bisharat-wins-gold-at-the-World-Karate-Championships-57558 [Kein Fotograf und keine Agentur angegeben.]
Manchmal kann ich die Nachrichten über Gaza, das Westjordanland, Israel, Syrien und den Libanon kaum noch ertragen. Ich höre trotzdem nicht auf zu lesen, zu schauen, zu hören und darüber zu schreiben. Doch auch (oder vielleicht gerade) in dunklen Zeiten sollte man Gelegenheiten zur Freude nicht ungenutzt vorübergehen lassen. Daher möchte ich heute ausnahmsweise einige erfreuliche Nachrichten teilen.
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Gold für Maryam Bisharat
Palästina ist Weltmeister! Am 17. Oktober gewann Maryam Bisharat im Finale der Junior- und U21-Karate-Weltmeisterschaften in Polen Gold für Palästina (in der Klasse unter 66kg). Auf ihrer Jacke prangte die palästinensische Fahne. Von den Rängen waren „Free Palestine“-Rufe zu hören. Es ist bereits die zweite Weltmeisterschafts-Goldmedaille für Bisharat. Die erste errang sie 2024 in Venedig. Daneben gewann sie zahlreiche weitere Bewerbe.
Maryam Bisharat stammt aus Nablus. Ihr Vater und ihr Onkel gründeten vor mehr als 20 Jahren die „Al-Aqsa-Karate-Akademie“. Dutzende Mitglieder der Familie, sowohl Frauen als auch Männer, sind oder waren aktive Karate-SportlerInnen.
Nachdem Sie 2024 in Venedig ihren ersten Weltmeistertitel geholt hatte, sagte ihr Vater: „Maryams Sieg war nicht nur ein sportlicher, sondern auch ein politischer Erfolg, denn sie triumphierte für ihre [die palästinensische] Sache, insbesondere jetzt, wo die Palästinenser ausgerottet werden.“
Maryam selbst sagte nach ihrem Sieg 2024: „Der erste Gratulationsanruf kam von einem Sportler und Karatetrainer aus Rafah in Gaza.“
Quellen:
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Menschenrechtspreis von Amnesty für Khaled Quzmar
Amnesty International Deutschland verleiht den Menschenrechtspreis 2026 an den palästinensischen Rechtsanwalt und Kinderrechtsexperten Khaled Quzmar.
Khaled Quzmar (geboren 1962) lebt in Ramallah. Er ist Menschenrechtsaktivist und Generaldirektor der Kinderrechtsorganisation Organisation Defense for Children International – Palestine (DCIP). Seit fast vier Jahrzehnten kämpft er als Anwalt für Kinderrechte. Er vertritt palästinensische Kinder vor israelischen Militärgerichten. In einer Amnesty-Reportage wird er als „Anwalt der verlorenen Kindheit“ bezeichnet.
Freisprüche kann er für seine Klienten so gut wie nie erreichen. Im besten Fall springt eine Verkürzung der Haft heraus. Aus der Amnesty-Reportage:
„Vor dem Militärgericht steht der Verteidiger vor einem Dilemma. Wenn er auf die Einhaltung internationaler Rechtsstandards besteht, schadet er womöglich seinen Klienten. ,Der Richter sagt dir: Wach auf, du bist nicht in Den Haag‘, berichtet Quzmar. ,Dann verhängt er eine noch höhere Strafe.‘ Er änderte deshalb seine Strategie und lernte Hebräisch, um mit Richter*innen und Staatsanwält*innen besser sprechen zu können.
Um seinen Klienten lange Gefängnisstrafen zu ersparen, schlägt er der Staatsanwaltschaft Deals vor – schnelle Geständnisse gegen niedrige Strafen. ,Wegen der vielen Fälle sind die Militärgerichte überlastet‘, sagt der Anwalt. ,Ich einige mich mit dem Staatsanwalt auf die Höhe der Strafe, sodass der Richter drei Fälle in fünf Minuten abschließen kann.‘ Sein Vorgehen stimmt Quzmar vorher mit den betroffenen Familien ab. Die Strafen waren meist halb so hoch wie üblich.
[…]
Früher waren Steinwürfe das häufigste ,Verbrechen‘ palästinensischer Kinder. Heute werden Jugendliche häufig wegen ihrer Aktivitäten in Online-Netzwerken festgenommen. Ein Facebook-Post, der auf einen von der israelischen Armee getöteten Verwandten hinweist, kann als Anstiftung zur Gewalt eingestuft und mit mindestens vier Monaten Gefängnis bestraft werden.“
Aus der Amnesty-Pressemitteilung:
„Wegen seiner Arbeit ist der in Ramallah ansässige Quzmar massivem Druck, Repressionen und Diffamierungen durch israelische Behörden ausgesetzt. Unter anderem wurde er vom israelischen Geheimdienst vorgeladen und mit einer langen Haftstrafe bedroht. In seiner Rolle als langjähriger Generaldirektor von Defense For Children International – Palestine (DCI-P) sah er sich aufgrund der anhaltenden Schikanen gegen die Organisation dazu gezwungen, diese im Frühjahr 2026 nach über 35 Jahren aufzulösen. Seit Juni 2026 ist er als Geschäftsführender Direktor der Organisation Palestinian Center for Child Rights tätig.“
Quellen:
https://www.frontlinedefenders.org/en/profile/khald-qzmar
https://www.amnesty.de/pressemitteilung/khaled-quzmar-amnesty-menschenrechtspreis-2026
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Friedensnobelpreis für Navi Pillay
Navanethem „Navi“ Pillay ist eine südafrikanische Juristin mit Spezialgebiet Menschenrechtsschutz und Völkerstrafrecht. Sie wurde 1941 als Kind einer indisch-tamilischen Familie in Südafrika geboren und war die erste nicht-weiße Richterin am Hohen Gericht in Südafrika. Später war sie Richterin am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda, Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag und Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte. Von 2021 bis 2025 war sie Vorsitzende der Ständigen Faktfindungsmission der Vereinten Nationen zum Israel-Palästina-Konflikt.
„In ihrem im September 2025 veröffentlichten Abschlussbericht kam die Kommission unter Pillays Vorsitz zu dem Ergebnis, dass Israel im Gazastreifen Völkermord begangen habe. Sie kam zudem zu dem Schluss, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Staatspräsident Jitzchak Herzog und der frühere Verteidigungsminister Joaw Galant mit Äußerungen zur Begehung von Völkermord angestiftet hätten.“
Aus der Begründung des Nobelpreis-Komitees:
„Das norwegische Nobel-Komitee gründet seine Entscheidung auf Navi Pillays Rolle als treibende Kraft bei der Entwicklung eines internationalen Systems von Recht und Ordnung. Darüber hinaus betont das Komitee ihre juristische Strenge, ihre persönliche Integrität und ihren außergewöhnlichen Mut. In einer Zeit, in der die Anzahl von Kriegen und Konflikten zunimmt und in der Richter und Institutionen des internationalen Rechts von Politikern angegriffen werden, möchte das Komitee daran erinnern, dass die Fähigkeit, Konflikte gewaltfrei zu lösen von der internationalen Herrschaft des Rechts abhängt. Ein internationales Rechtssystem, in dem Kriegsverbrecher zur Verantwortung gezogen werden und Opfer Gerechtigkeit erfahren, ist eine Voraussetzung für eine friedliche Welt.“
Israelische Politiker sind über die Auszeichnung für Pillay empört. Der israelische Botschafter in Genf bezeichnete die Entscheidung des Komitees als „beschämend“ und als „Unterstützung für Antisemiten“. Diese Reaktion ist wenig verwunderlich, hat doch der Internationale Strafgerichtshof gegen den israelische Premierminister Benjamin Netanjahu und den ehemaligen Verteidigungsminister Joaw Galant Haftbefehle erlassen, wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Auch Trump schäumte. Er ist, wie schon im vergangenen Jahr, der Meinung, dass der Friedensnobelpreis eigentlich ihm zustünde. Er behauptete, noch nie von Navi Pillay gehört zu haben (was vielleicht sogar stimmt). Doch vom Internationalen Strafgerichtshof hat Trump sicherlich schon gehört. Dessen Richter überzieht er nämlich mit Sanktionen, weil ihm nicht gefällt, dass seine Macht durch internationales Recht beschränkt werden soll. Erstmals verhängte er bereits 2020 (während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident) Sanktionen gegen Richter des IStGH, weil das Gericht mutmaßliche Kriegsverbrechen amerikanischer Soldaten in Afghanistan untersucht hatte. Anlass der zweiten Sanktionswelle zu Beginn des Jahres 2025 waren die Haftbefehle gegen Netanjahu und Galant.
Nun, nach der Zuerkennung des Friedenspreises an Navi Pillay kündigte Trump weitere Sanktionen gegen IStGH an. Diese könnten die Arbeit des Gerichts nahezu unmöglich machen. Die EU hat die Möglichkeit, den Internationalen Strafgerichtshof zu schützen und seine Handlungsfähigkeit zu erhalten. Die Europäische Kommission teilte bereits mit, dass sie das auch zu tun gedenke. Es gibt eine Unterschriftenaktion, die die Kommission dazu ermutigen soll, diesen Worten auch Taten folgen zu lassen. Hier kann man unterschreiben.
Trump und Israel sind mit ihrer Reaktion bisher recht allein auf weiter Flur. Selbst die deutsche Regierung gratulierte Pillay. Tatsächlich geht es hier nicht nur um die Person Pillay, sondern um die Frage, ob die Welt sich aufrafft, das internationale Rechtssystem gegen Angriffe autoritärer Politiker zu schützen.
Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Navanethem_Pillay
https://en.wikipedia.org/wiki/Navi_Pillay
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/friedensnobelpreis-navi-pillay-100.html
https://www.derstandard.de/story/3000000343409/friedensnobelpreis-2026-geht-an-navi-pillay
https://www.nobelprize.org/prizes/peace/2026/pillay/facts
https://de.wikipedia.org/wiki/Haftbefehle_gegen_Benjamin_Netanjahu_und_Joaw_Galant
https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/trump-sanktionen-istgh-100.html
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Friedenspreis des deutschen Buchhandels für Philippe Sands
Auch Philippe Sands ist Jurist, und zudem Schriftsteller. Er arbeitet am Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag. Sands wurde 1960 in London geboren. Seine Eltern waren (überlebende) Opfer des Holocaust.
Aus der Begründung der Jury:
„In seinem literarischen Werk, das mit erzählerischer Brillanz ebenso überzeugt wie mit historischer Tiefe, blickt Philippe Sands sowohl auf die Motive der Täter als auch auf das Leid und die Leben der Opfer. Durch seine abgewogene und immer empathische Darstellung erhalten sie eine Stimme und erfahren Respekt. Die universellen Rechte jedes einzelnen Menschen stehen im Mittelpunkt seiner juristischen Tätigkeit, in der er die Opfer von Kriegsverbrechen und Rassismus, Folter und kolonialem Unrecht verteidigt. Das Bestreben, Ökozid als Straftatbestand beim Internationalen Gerichtshof zu verankern, um die Zerstörung von Ökosystemen unter Strafe stellen zu können, geht ebenfalls auf seine Initiative zurück.“
Aus Sands Dankesrede:
„Frieden braucht Gerechtigkeit. Gerechtigkeit braucht Regeln. Regeln brauchen das Recht. Und Recht und Gesetz gelten universell, nicht selektiv. Genau das meint das Rechtsstaatsprinzip.
[…]
Jede Gemeinschaft hat ihre Regeln, die internationale Gemeinschaft ist da nicht anders. Es nennt sich Völkerrecht, es existiert seit Jahrhunderten. Die meisten der Regeln funktionieren unfassbar gut und sie sind nicht im Begriff zu verschwinden, auch wenn einige ernsthaft verletzt werden. Jetzt ist die Zeit, für sie einzutreten, nicht zu schweigen; Zeit, den Tatsachen ins Auge zu sehen, unsere Prinzipien hochzuhalten, auf sie zu bauen. Zeit, um zu widerstehen, nicht um zu verzagen, denn für das Rechtsstaatsprinzip braucht man einen langen Atem.
[…]
Es gibt keine Hierarchie unter den verschiedenen Völkerstraftaten. Das Töten zahlreicher Menschen als Kriegsverbrechen oder als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist nicht weniger schwerwiegend als ein Völkermord. Dies sind alles schreckliche Verbrechen. Sie verlangen nach Verantwortlichkeit und müssen angeprangert werden, und diejenigen, die anprangern – ganz gleich, welche Bezeichnung sie verwenden –, sollten nicht zum Schweigen gebracht, ausgeschlossen oder bestraft werden, nur weil sie ihre Rede- und Meinungsfreiheit ausüben. Autorinnen und Journalisten, Sänger und Dichterinnen, Filmemacher und andere müssen ihre Geschichten erzählen können.
Die Tatsache der Verbrechen zum Schweigen zu bringen ist unanständig. Diejenigen zum Schweigen zu bringen, die versuchen, die Verbrechen anzuprangern, ist ebenso unanständig. Deutschland hat viele Gräuel angeprangert und ist aktiv geworden […]. Doch zu Israel, zum Gazastreifen und zum Westjordanland ist das deutsche Schweigen bis heute laut. Zugleich beunruhigen mich die Debattenbeschränkungen. Dies umso mehr nach dem eindeutigen Gutachten des Internationalen Gerichtshofs von 2024 zum palästinensischen Selbstbestimmungsrecht. Großbritannien, Kanada, Frankreich und viele weitere Länder haben seitdem einen palästinensischen Staat anerkannt. In jüngster Zeit haben sie Sanktionen verhängt, der britische Außenminister hat die Handlungsweise in den besetzten Gebieten als ethnische Säuberung bezeichnet.
Deutschland weiß alles über ethnische Säuberung. Warum dann das Schweigen?“
Quellen:
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Helden ohne Schlagzeilen
Nicht alle Menschen, die sich – teils mit großem persönlichen Risiko – um Menschen- und Völkerrecht verdient gemacht haben, bekommen öffentliche Anerkennung. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, aus aktuellem Anlass, die Arbeiter des Pariser Flughafens Charles de Gaulle.
Am 9. Oktober 2026 sollte von diesem Flughafen eine mit Kriegsmaterialien oder „Dual-Use-Gütern“ beladene Maschine der Air France Richtung Israel starten. Die verantwortlichen Flughafenmitarbeiter weigerten sich aber, diesen Flug abzufertigen. Den Boykott hatte die Gewerkschaft organisiert. Daraufhin sollten die Güter in eine Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al umgeladen werden. Die dafür verantwortlichen Arbeiter (die in einer anderen Gewerkschaft organisiert sind) verweigerten dies aber ebenfalls.
Bereits im September 2025 hatten französische Flughafenarbeiter den Transport für den Völkermord verweigert. In einem Flugblatt beschrieben die Gewerkschafter illegale Praktiken bei der Verladung für Israel bestimmter Container und erklärten, die Arbeiter seien nicht bereit, sich für politische Entscheidungen instrumentalisieren zu lassen, die internationales Recht verletzen.
Diese Arbeiter haben internationales Recht auf ihrer Seite. Denn Staaten sind verpflichtet, Waffenlieferungen zu unterlassen, wenn ein eindeutiges Risiko besteht, dass diese Waffen für Verletzungen des humanitären Völkerrechts eingesetzt werden könnten.
Quellen:
https://www.ynetnews.com/article/b12kehujmx
https://www.newarab.com/news/french-unions-block-israel-elbit-arms-shipment-el-al-step
https://twitter.com/Aljarmaqnetnews/status/2108917276498161996
https://solidaires-douanes.org/IMG/pdf/2025_09_30_armament_israel-palestine_en.pdf
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