Bild: Palästinensische Gefangene aus Gaza beim Transport in das israelische Folterlager Sde Teiman. Das Bild stammt aus einem Video. Es ist kein Fotograf angegeben. Quelle: https://www.palestinechronicle.com/eichmann-style-trials-israel-approves-special-courts-for-palestinian-detainees/

Ich gehe davon aus, dass dieser Blog nur von Erwachsenen gelesen wird. Vieles, was ich in früheren Beiträgen dieses Blogs schon geschrieben habe, könnte freilich auch auf sensible Erwachsene verstörend wirken. Es ist nicht meine Absicht zu schockieren. Manchmal geht es aber nicht anders, wenn man die Wahrheit berichten will. Im Fall dieses neuen Beitrags möchte ich einen speziellen Warnhinweis vorwegschicken: Der Beitrag enthält Schilderungen besonders grausamer sexualisierter Gewalt, die in israelischen Gefängnissen systematisch an palästinensischen Gefangenen verübt wird. Wer sich dem nicht gewachsen fühlt, sollte also besser nicht weiterlesen. Ich meine aber: Wenn es geht, soll man hinschauen, auch wenn es schwer fällt.

Ich schiebe dieses Thema schon seit geraumer Zeit vor mir her. Dafür, dass ich es gerade jetzt aufnehme, gibt es zwei aktuelle Anlässe. Einer davon ist der Auftritt des amerikanischen Schauspielers Elon Gold anlässlich der Premiere des Films The Wedding Entertainer beim Tribeca-Filmfestival in New York City. Gold versuchte, gemeinsam mit einer pro-israelischen „Influencerin“ namens Savetzky, das Festival-Publikum mit folgendem „Gag“ zu unterhalten:

Gold: „Das ist wirklich eine große Sache [dass dieser Film bei einem so angesehenen Filmfestival gezeigt wird], und für einen Film, der in Israel gemacht wurde, ist das verdammt cool. Ich wurde nur von zwei israelischen Hunden vergewaltigt.“

Savetzky: „Ich dachte, die vergewaltigen nur Palästinenser.“

Gold: „Nein, ich habe auch einen Hund abbekommen.“

[Gold und Savetzky lachen aus vollem Hals.]

Man kann die Originalaufnahme dieses Dialogs hier anschauen.

Ob das Publikum vor Ort lachte, weiß ich nicht. Im Internet jedenfalls war die Reaktion angemessen: Ekel und Empörung. Auch die Festival-Leitung distanzierte sich mit deutlichen Worten.

Nebenbei gesagt: Diese Szene beweist, dass die Zionisten nicht nur Hunderttausende Menschenleben auf dem Gewissen haben, sondern auch unschätzbar wertvolles altes jüdisches Kulturgut, nämlich den jüdischen Witz. Der jüdische Witz zeichnete sich aus durch eine unnachahmliche Mischung aus Scharfsinn, Subtilität und Selbstironie. Bei dem jüdischen Komödianten Elon Gold hingegen ist der jüdische Witz zu einer im mehrfachen Wortsinn obszönen Banalisierung des abgrundtief Bösen verkommen.

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Der zweite aktuelle Anlass für das Thema dieses Beitrags ist ein vor wenigen Tagen veröffentlichter Dokumentarfilm: Bodies of Evidence. Israel’s Darkest Weapon (58 Minuten). Darin kommen unter anderem Überlebende des israelischen Gefängnissystems zu Wort.

Viele weibliche Gefangene berichten, sie seien bei ihrer Verhaftung gezwungen worden, sich auszuziehen und demütigende Positionen einzunehmen, oft vor ihren Angehörigen, oft umgeben von Hunden und SoldatInnen mit Gewehren. Eine Frau wurde ins Gesicht geschlagen, nachdem sie darum gebeten hatte, dass die Tür geschlossen wird während der Leibesvisitation. Sie verlor durch den Schlag ein Auge. Weibliche Gefangene berichten, sie hätten sich nicht nur einmal ausziehen müssen, sondern mehrmals, immer dann, wenn sie von einem Gefängnis in ein anderes gebracht worden seien, immer bevor sie zu einer Befragung gebracht worden seien, manchmal mehrmals am Tag. Eine junge Frau berichtet:

„Sie brachten mich ins Schlafzimmer und befahlen mir, mich ganz auszuziehen. [Sie beginnt zu weinen und kann nicht weitersprechen.] Eine Leibesvisitation wurde durchgeführt. Sie sagten: ,Steh’ auf und mach 14 Kniebeugen. Dreh’ dich um und mach 14 Kniebeugen.‘ So stand ich und machte Kniebeugen und fragte: ,Ist das wirklich notwendig? [Die Soldatin] sagte: ,Ja, es ist notwendig. Sei still und tue, was ich dir sage!’ […].“

„Die Soldaten kamen einer nach dem anderen herein. Sie setzten sich hin und betatschten mich. Sie sagten: ,Wir werden dich vergewaltigen.’ Sie zerrissen meine Abaya und stießen eine Hand hinein. Sie hoben mein Betgewand an und stießen auch darunter hinein. Ich versuchte, mich so fest wie möglich zusammenzukauern und sie auf Distanz zu halten. Eins, zwei, drei, vier, fünf – dieselbe Bewegung, dieselbe Verletzung. Eine Hand von oben, eine Hand von unten. Und dann gingen sie. Sie gingen und kamen nicht mehr zurück.“

Fachleute sagen, dass es gerade für Kinder sehr schwierig ist, über sexuellen Missbrauch zu berichten. Die vorliegenden Zeugnisse dürften daher nur die Spitze des Eisbergs sein. Ein Teenager berichtet: 

„Während der Untersuchungen zogen sie mich vollständig aus und filmten mich. Die, die mich auszog, war natürlich eine Frau. Sie machte sich über mich lustig, filmte mich. Da waren vier, fünf oder sechs SoldatInnen, die zuschauten, uns filmten und lachten.“

„[Die Soldatin] sprach über viele sexuelle Dinge, die sie meiner Schwester antun würde. Ich werde diesen Moment nie vergessen. Sie sagte diese Worte, als sie mich schlug. Ich fing an zu weinen. Ich war 18 Jahre alt.“

„Die Lage, in der andere Leute waren, mit denen ich zusammen eingesperrt war … es ist ein bisschen schwierig. Bitte habt Verständnis mit mir, wenn ich das sage. Was anderen geschah, ist schwieriger zu bezeugen. Sie zogen ihn aus. Sie hatten einen Baseballschläger. Sie steckten ihm diesen von hinten hinein. Das ist ein Vorfall, den ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe.“ 

Zeugnisse von ehemaligen männlichen Gefangenen:

„Wenn sie uns vergewaltigten, taten sie es nicht als eine Gruppe von zwei oder drei. Nein, sie taten es jeweils einzeln. Wenn wir zu den Zellen zurückkamen sahen die anderen das Blut an unseren Hintern herunterrinnen, und sie versuchten, uns zu reinigen oder zu verarzten oder etwas in dieser Art.“

„Das Schlimmste waren nicht die Schläge, oder die Erniedrigung, oder die Elektroschocks – nein. Es war die Vergewaltigung. Sie fesselten meine Hände mit Handschellen hinter meinem Rücken. Sie lösten die Ketten von meinen Fußgelenken und ersetzten sie durch Handschellen. […] Sie brachten mich mit dem Gesicht nach unten zu Boden und stampften mit ihren Füßen auf meinen Rücken und meinen Nacken. Als ich so lag, kamen Soldatinnen, die Gurte mit Dildos trugen, und eine von ihnen begann, mich zu vergewaltigen. Sie waren zu zweit. Die Soldaten um sie herum applaudierten und filmten.“

„Sie steckten uns in einen kleinen Käfig im Freien. […] Sie zogen uns unsere Kleider aus, während wir mit Handschellen gefesselt waren. Unsere Augen waren natürlich verbunden und unsere Hände und Beine gefesselt. Sie fesselten uns von hinten. Sie griffen uns mit Hunden an. Natürlich waren Wachleute und Soldaten dabei. Es war eine große Party, so nannten sie das. […] Der Hund war sehr groß. Der Hund hatte einen eisernen Maulkorb, der uns Schnittwunden zufügte. Nachdem sie uns ausgezogen hatten, kamen einige Soldaten mit einem Gummiknüppel. Sie benutzten ihn als Sexspielzeug. Bei einigen von uns benutzten sie diese Knüppel und Rohre. Bei anderen benutzten sie Hunde. Ich gehörte zur zweiten Gruppe. Nachdem sie mich ausgezogen hatten, wurde ich von einem riesigen Hund vergewaltigt. Wir weinten und schrien und riefen Gott an. Wir konnten nichts machen. Sie lachten und filmten, natürlich.“ 

Es sind Fälle dokumentiert, wo Soldatinnen weibliche Gefangene mit Untersuchungsgegenständen vergewaltigten. In anderen Fällen wurden weibliche Gefangene von mehreren männlichen Gefangenen vergewaltigt. Die Soldaten filmten die Tat. 

Eine einzelne Vergewaltigung im Kontext eines Krieges ist ein Kriegsverbrechen. Geschehen solche Taten jedoch häufig, systematisch und institutionalisiert, handelt es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die sexualisierte Gewalt in israelischen Gefängnissen ist weit verbreitet, systematisch und institutionalisiert. Sie ist keine Ausnahme, sondern die Regel.

Die Täter verstecken sich nicht. Sie rühmen sich ihrer Taten. Sie werden nicht bestraft, sondern öffentlich als Helden gefeiert. Sie genießen den vollen Schutz der israelischen Politik, der israelischen Armee und des israelischen Rechtssystems. Besonders deutlich wurde das durch den Fall der vier Soldaten, gegen die eine Militärstaatsanwältin Anklage wegen Vergewaltigung eines palästinensischen Gefangenen erhoben hatte. Andere Soldaten hatten die Tat gefilmt. Die Staatsanwältin hatte das Video einem israelischen Fernsehsender zugespielt. Israelische Politiker, allen voran Netanjahu, empörten sich – aber nicht wegen der Tat, sondern wegen der Weitergabe des Beweismittels. Die vier Vergewaltiger wurden sehr schnell wieder auf freien Fuß gesetzt. Sie wurden zu Fernsehstars. Die Anklage gegen sie wurde fallen gelassen. Sie wurden voll rehabilitiert und sind wieder im Dienst. Im Gefängnis sitzt jetzt die Staatsanwältin.

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Im Westjordanland setzen auch Siedler sexuelle Gewalt als Mittel des Terrors gegen PalästinenserInnen ein. Am 18. März 2026 berichtete die New York Times von einem besonders brutalen und widerlichen Siedlerangriff:

Angegriffen wurde eine kleine Beduinengemeinschaft in Khirbet Humsa im nördlichen Jordantal. Etwa 20 Siedler kamen um ein Uhr nachts. Der 29jährige Schafhirte Suhaib Abualkebash wurde geschlagen, nackt ausgezogen und gefesselt; dann zogen die Siedler einen Kabelbinder um seinen Penis fest – so fest, dass er ihn später, nachdem der Angriff vorüber war, ohne Hilfe nicht mehr lösen konnte. Eine amerikanische Menschenrechtsaktivistin war Zeugin der Tat und kontaktierte daraufhin das Büro der New York Times in Jerusalem. Der Einschnitt auf Abualkebashs Penis war noch zu sehen, als der NYT-Korrespondent David M. Halbfinger ihn besuchte. Bei dem Überfall schlugen und bedrohten die Siedler auch die Frauen und Kinder der Gemeinschaft und drohten damit, die Frauen zu vergewaltigen, wenn die Gemeinschaft den Ort nicht verließe.

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Die Schilderungen der Überlebenden des israelischen Gefängnissystems gleichen sich. Es sind Hunderte. Mit Sicherheit sind die dokumentierten Fälle aber lediglich die Spitze des Eisbergs. Viele der Opfer ziehen es vor zu schweigen, sei es aus Scham oder aus Angst vor Rache – und weil sie ohnehin keine Chance sehen, dass die Täter jemals zur Verantwortung gezogen werden.

Mitte Mai dieses Jahres erschien in der New York Times ein Artikel zum Thema sexuelle Gewalt gegen PalästinenserInnen. Der Artikel wirbelte viel Staub auf. Netanjahu drohte, die New York Times wegen Verleumdung zu verklagen. Die Aufregung ist bemerkenswert, da bereits lange vorher mehrere ausführliche und gut belegte Berichte zu diesem Thema publiziert worden waren, unter anderem von der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem, von Euro-Med Human Rights Monitor und von der UNO.

Die Schilderungen der Opfer werden bestätigt durch Berichte von SoldatInnen. Auch die Mitglieder der Freedom Flotilla berichteten von sexuellen Übergriffen während ihrer Gefangenschaft in Israel.

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Für viele der Opfer ist der Alptraum mit der Entlassung aus dem Gefängnis nicht vorbei. Ein Teenager berichtet: Als seine Mutter ihn zur Begrüßung in die Arme nehmen wollte, habe er sie zurückgestoßen. Warum? Weil er verlernt hatte, dass Berührungen freundlich sein können. Er erwartete instinktiv, dass die Person, die sich ihm näherte, ihm Schmerz zufügen würde. Andere berichten von Alpträumen, Depressionen, unkontrollierten Wutausbrüchen. Einigen gelingt es jedoch offenbar, mit dem Trauma zu leben. Manche erklären sogar, das Erlebte habe sie noch stärker gemacht. Eine junge Frau sagt, sie betrachte die Zeit im Gefängnis wie einen schlimmen Traum, der vorübergegangen sei. Schon im Gefängnis habe sie immer gedacht, das sei ein vorübergehender böser Traum.

Mohammed Zaki al-Bakri aus Gaza ist einer der wenigen Überlebenden, die ihren Klarnamen preisgegeben haben. Er sagt:

„Sie benutzten Vergewaltigung, um uns zu brechen. Sie zogen Vergnügen daraus, uns zu demütigen. Kein Palästinenser, niemand aus Gaza, sollte jemals wieder seinen Kopf erhoben halten. Aber Gottseidank, nach allem, was sie uns angetan haben, gehen wir immer noch erhobenen Hauptes durch die Welt – und das werden wir immer tun. Denn sie werden immer die Besatzer sein.“

Quellen:

https://www.aljazeera.com/video/newsfeed/2026/6/7/aje-onl-nf_outrage-over-palestinian-dog-rape-joke-at-tribeca-070626#flips-6397796234112:0

https://www.youtube.com/watch?v=e3pApprHfrY

https://www.aljazeera.com/news/2026/6/9/they-were-laughing-israels-use-of-rape-and-sexual-abuse-in-prisons

https://aje.news/u37s0w?update=4599223

https://www.theguardian.com/commentisfree/2026/may/14/palestinian-prisoners-sexual-torture-israel-backlash

https://www.aljazeera.com/news/2026/5/14/israels-netanyahu-says-suing-new-york-times-over-palestinian-rape-article

https://www.palestinechronicle.com/permission-to-rape-nyt-details-sexual-violence-against-palestinians-in-israeli-custody/

https://www.spiegel.de/ausland/israel-militaerstaatsanwaeltin-yifat-tomer-yerushalmi-tritt-wegen-leak-von-folter-video-aus-sde-teiman-zurueck-a-c3c37dbd-9321-4a18-a7a7-7ca3e5706e04

https://www.ohchr.org/en/press-releases/2025/03/more-human-can-bear-israels-systematic-use-sexual-reproductive-and-other

https://www.btselem.org/publications/202601_living_hell

https://euromedmonitor.org/en/article/7023

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